Boy in a Dead End – Karl Olsberg (Loewe-Verlag)


Jede Geschichte hat einen Anfang. Mit dem nun erschienen dritten Buch der Reihe, erzählt Karl Olsberg die „Vorgeschichte“ zu den beiden schon auf dem Markt befindlichen „Boy in a White Room“ und „Girl in a Strange Land“. Dies haben wir schon vor ein paar Monaten in unserer Familienrezension zu Boy i a White Room und Girl in a Strange Land vorgestellt.

Boy In A Dead End 1

 Klappentext:

Ewiges Leben in einer Maschine?
In Team Defense ist Manuel unschlagbar. Doch was seine Mitspieler nicht wissen: Beinahe Manuels gesamter Körper ist gelähmt. Er steuert seinen Avatar nur mithilfe eines intelligenten Rollstuhls. Denn Manuel leidet an einer unheilbaren Nervenkrankheit und ihm bleiben nur noch wenige Monate zu leben. Als er von einem umstrittenen Experiment erfährt, schöpft er neue Hoffnung: Dabei kann eine Computersimulation seines Gehirns entwickelt werden. So soll sein Bewusstsein in einem Computer weiterleben. Allerdings wird bei dem Scan das Gehirn vollständig zerstört …

„Nofinity hat sich vorgenommen, das größte Problem zu lösen, mit dem die Menschheit zu kämpfen hat: den Tod.“
Erschrocken schnappe ich nach Luft. Ist das ein Scherz?
„Ihr wollt Menschen unsterblich machen?“, fragt Elena.
„Na ja, nicht im wörtlichen Sinn. Aber wir können das mögliche Lebensalter von Menschen drastisch erhöhen – von höchstens etwas über hundert auf viele tausend, vielleicht sogar Millionen Jahre.“
„Das klingt wie Science-Fiction.“
„Das ist Science-Fiction – noch. Aber wir sind auf dem Weg dorthin bereits ein gutes Stück vorangekommen.“
„Und wie genau soll das funktionieren?“
„Indem wir den menschlichen Geist quasi aus dem Körper herausholen und ihn in ein besseres, langlebigeres und einfacher zu reparierendes Gefäß übertragen.“
„In eine Maschine.“

Die Geschichte spielt in einer nicht mehr fernen Zukunft im Jahr 2031. Die Technik hat sich weiterentwickelt und vieles was heute noch in Planung oder Utopie ist, wurde schon umgesetzt. So gibt es autonome Fahrzeuge, Holobrillen, Roboter und noch viele andere Dinge, die unter anderem das Leben vereinfachen. Die virtuelle Welt ist allgegenwärtig.

Wir lernen den uns schon aus den anderen Büchern bekannten Protagonisten Manuel und seine Familie kennen. Besonders zu seiner Schwester Julia hat Manuel ein gutes Verhältnis. Neben Julia sorgen sich auch seine Mutter und sein Vater um die Gesundheit von Manuell. An einen intelligenten Rollstuhl „gefesselt“ schreitet seine schwere Erkrankung rasant voran. Manuel leidet unter einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS). Eine unheilbare, degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Die behandelnden Ärzte geben Manuel noch ein halbes Jahr zu Leben.

Genau in dieser Situation verspricht ein Wissenschaftler eine Chance Manuels Gehirn in eine Maschine zu transferieren. Manuel würde in dieser virtuell weiterleben können. Nebenbei würde er auch der Wissenschaft helfen können, diese Erkrankung heilen zu können. Mit seiner Entscheidung als erster Mensch diesen Schritt zu gehen, löst Manuel eine Lawine von Ereignissen aus.

Das empfohlene Lesealter liegt bei 14 bis 17 Jahren und reiht sich damit in die Empfehlung der beiden anderen Bücher ein. Dieses Alter sollten die Jugendlichen aber auch schon mitbringen, da es sich nicht nur um einen „Abenteuer-Roman“ handelt, sondern sich inhaltlich mit komplexen Themen aus den Bereichen Philosophie, Religion, Ethik und Wissenschaft auseinandersetzt.

Die Geschichte ist verständlich und ohne viele Fachbegriffe geschrieben. Schnell war ich mitten im Geschehen und konnte das Buch nicht aus der Hand legen, was auch an den ein oder anderem „Cliffhanger“ am Ende der Kapitel gelegen hat. So ging es auch meiner Frau und meinen Kindern. Die einzelnen Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht von Manuel und Julia erzählt. So gibt es nur die beiden Perspektiven, was es aber dem Leser einfacher macht, der Geschichte zu folgen und sich schneller mit den beiden Protagonisten „anzufreunden“.

Mit Ihren Hoffnungen und Enttäuschungen durchleben Manuel und Julia Höhen und Tiefen. Das macht sie authentisch und liebenswert. Das der Konflikt auch in die Familie ausgelebt wird, kommt durch die unterschiedlichen Standpunkte der Eltern zur Geltung. Ein ständiges Für und Wider, welches sich bis zum Ende des Buches durchzieht. Die Umwelt reagiert ebenfalls mannigfaltig auf Manuels Entscheidung. Auch hier gibt es  zum Beispiel Fürsprecher, Widersacher, religiöse Fanatiker, gewinnorientierte Manager, gewissenlose Wissenschaftler oder den mediengesteuerten Normalbürger.

Karl Olsberg versteht es exzellent die Fragestellung „was macht einen Menschen aus?“ aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Wo endet das Leben? Was ist die Seele? Kann man in einer Maschine weiterleben? Eine meiner Lieblingskapitel ist die „Talkshow“ mit unterschiedlichen Teilnehmern. Hier kommen alle Parteien zu Wort und versuchen sich mit Antworten auf diese Fragen. Ich habe mich dabei aber auch beim Fremdschämen erwischt. Weiter will ich an dieser Stelle aber nicht auf den Inhalt eingehen.

Dieser Band ist der gelungene Abschluss bzw. Anfang einer außergewöhnlichen und besonderen Reihe. Er hat unsere Kinder und uns nicht nur emotional angesprochen und zum Nachdenken angeregt. Wir haben uns auch die Frage gestellt, ob der Band nicht schon vor den anderen Bänden fertig in der Schublade von Karl Olsberg lag. Nun ja, diese Frage kann uns nur der Autor selber beantworten. Wer die anderen Bücher noch nicht kennen sollte, sollte diese vorher in der Reihenfolge ihres Erscheinens gelesen haben, bevor er in den nun erschienen Band in die Hand nimmt.

Viele Autoren und Regisseure haben sich schon dieser Themen angenommen. Karl Olsberg hat es aber genial verstanden, diese in die heutige Zeit zu adaptieren und jugendgerecht aufzubereiten. Und sicherlich ist die Reihe nicht nur für Jugendliche interessant. Wir können dieses Buch jedem empfehlen, der sich mit der Thematik auseinander setzten möchte. Natürlich gibt es keine richtige oder falsche Antwort. Es hat unsere Familie zum Nachdenken und zum Austausch angeregt.

Ach ja! Bei uns wird „Amazon Surprise“ nicht ins Haus kommen. 🙂

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Boy in a Dead End – Karl Olsberg

  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: Loewe Verlag GmbH (18. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3743204177
  • ISBN-13: 978-3743204171
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre
  • Link zu Amazon

 

Was ich noch los werden wollte:

Mit der Thematik, ob eine Maschine ein Mensch ist bzw. sein kann oder nicht, haben sich auch schon andere Autoren bzw. Filme auseinandergesetzt. So z.B. der 1999 erschiene Film „Der 200 Jahre Mann“ mit Robin Williams nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Isaac Asimov oder der 2001 erschiene Film von Steven Spielberg mit dem Titel „A.I. Künstliche Intelligenz“. Auch hier lag eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Supertoys Last All Summer Long“ von Brian Aldiss zu Grunde. Die drei Bücher von Karl Olsberg sind aber meiner Meinung nach inhaltlich besser an die heutige Zeit adaptiert und jugendgerechter geschrieben.

Der dritte Band erinnerte mich gerade im ersten Teil an den Film „The Village / Das Dorf“ aus dem Jahr 2004. Auch hier gab es einen Ort, der abgeschirmt von der Außenwelt existierte. Damit die Bewohner den Ort nicht verließen, wurde ihnen gesagt, dass im umliegenden Wald bösartige Kreaturen ihr Unwesen trieben.

Auch wenn das Buch eigentlich für eine jünger Zielgruppe geschrieben wurde, kann ich das Buch auch jedem Erwachsenen empfehlen. Klar sollte man sich ein wenig mit dem Alltag und den Freizeitbeschäftigungen der Kinder und Jugendlichen auskennen, um ein paar Sachen besser zu verstehen. Für mich war es nicht ganz so schwer, da ich mich zum einen auch als Ü50 noch für Games interessiere und unseren Jungs beim Spielen an der PS4 über „die Schulter“ schaue und auch mal das Game-Pad in die Hand nehme. Gleichzeitig erklären mir unsere Jungs die Spiele und ihre Fortschritte. Und ja, beide lieben und konstruieren auch noch virtuelle Welten in „Mindcraft“. Daher haben sie auch die beiden Mindcraft-Bücher von Karl Olsberg verschlungen.

 

zum Autor:

Karl Olsberg promovierte über künstliche Intelligenz, war Unternehmensberater, Manager bei einem Fernsehsender und gründete zwei Unternehmen in der New York Economy, darunter eine Softwarefirma, die von der Wirtschaftswoche als „Start up des Jahres 2000“ ausgezeichnet wurde. 2005 gewann er mit der Kurzgeschichte „Taubers Sammlung“ den Schreibwettbewerb des Buchjournals und begründete so seine literarische Karriere.

2007 erschien sein erster Roman „Das System“, der auf Anhieb in die SPIEGEL-Bestsellerliste schaffte und für den Kurd Laßwitz-Preis nominiert wurde. Seine Minecraft-Romane um die „Würfelwelt“ erreichten jeweils Platz 2 der Amazon-Bestsellerliste und sind auf in den USA erfolgreich. Seitdem schreibt er nicht nur erfolgreich Romane für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche und Kinder. Der Thriller Boy in a White Room wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Auch die Filmrechte wurden bereits verkauft. Olsberg hat drei Söhne und lebt in Hamburg.

Website des Autors:
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Das Buch wurde von uns vom Verlag zur Verfügung gestellt. Die Rezensionen spiegelt meine/ unsere eigene Meinung zu dem Buch wieder. Wenn mir was nicht gefallen sollte, so schreibe ich dies auch nieder. Die Fotos stammen aus meiner Kamera. Für das Beitragsbild habe ich ein Foto von rawpixel.com from Pexels mit eingearbeitet. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehme ich keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

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